Unser Bus führt uns heute Morgen durch den dichten römischen Verkehr fast direkt vor das Colosseum. Noch sind wir fast alleine auf dem Vorplatz und können in aller Ruhe der Entstehungsgeschichte, den geschichtlichen Zusammenhängen zum Triumphbogen, den Überresten des Tempels der Venus und der Roma, geschildert von unserer Stadtführerin zuhören. Sie lässt vor unseren geistigen Augen das Ende des ersten Jahrhunderts auferstehen.
Sie schildert wie der Kaiser gerade aus dem letzten Kriegszug siegreich nach Hause zurückkehrt. Er kommt mit seinem ganzen Gefolge und der gemachten Beute die breite Strasse herauf und zieht unter dem Triumphbogen durch. Ein paar Tage später, wird das ganze Volk zur Feier in das Flavische Amphitheater eingeladen. So heisst nämlich das Colosseum in Wirklichkeit.
Wie alles unter den römischen Bauherren, ist auch dieses Amphitheater einfach nur mächtig. Gross. Das grösste im römischen Reich. Gemeint sind immerhin weite Teile von Europa bis nach Ägypten. Es bietet Platz für 70’000 Personen, ist 50 Meter hoch, 188 Meter in der Länge und 156 Meter in der Breite, 100’000 Kubikmeter Travertin (Marmor) und 300 Tonnen Eisen wurden in knapp 10 Jahren verbaut. Die Einweihung dauerte 100 Tage, während denen 5000 Raubtiere getötet wurden.
Regelmässig nach siegreichen Kriegszügen, oder anlässlich bestimmter Festtage, lädt der Kaiser sein Volk in dieses Amphitheater ein. Dabei werden unten in der Arena allerlei Kämpfe und Spiele abgehalten, während auf den marmornen Stufen ein eigentliches Volksfest abgehalten wird.
Wir verlassen das Colosseum in Richtung Titusbogen und treten damit in das Forum Romanum ein. Ursprünglich als Marktpatz gedacht, bot es aber auch den Kaisern jener Zeit die Möglichkeit, Foren aufzustellen. Foren müssen wohl Marktplätze, Treffpunkte, Vergnügungsplätze für das Volk gewesen sein. Nirgends in der Welt, kann man auf lediglich 700 Metern Distanz, eine derartige Anhäufung von kaiserlichen Bauten sehen, wie eben im Forum Romanum. Kommen noch diverse Tempelanlagen und Gedenkstätten dazu. Das alles wie üblich unter römischer Herrschaft: überdimensioniert und gewaltig.
Weil diese Anlagen grösstenteils erst ist in den letzten beiden Jahrhunderten ausgegraben wurden, können wir heute noch über originale Strassen der damaligen Zeit spazieren. Wobei der Strassenbelag in der Regel aus Basaltsteinen, dem härtesten vorhandenen Stein, bestand. Quadersteine, unregelmässig gross, bis vielleicht 30 oder 40 Zentimeter Kantenlänge, mit Abständen und Löchern dazwischen, bei denen man sich problemlos auch mal einen Fuss verrenken kann. Kein Vergleich zu unseren heutigen Kopfsteinpflastern.
Beim Aufstieg auf den Capitolhügel werfen wir nochmals einen letzten Blick auf das Forum Romanum, wohl den mächtigsten und imposantesten Dorfplatz aller Zeiten zurück.
Die Stadt Rom wurde auf sieben Hügeln gebaut. Dabei soll der Capitolhügel der erste gewesen sein, von welchem aus, sich die Stadt verbreitete. Wahrscheinlich ist es deshalb auch kein Zufall, dass sich am Fusse dieses Hügels das Forum Romanum befindet. Auf der einen Seite des Hügels befindet sich eine Treppe. Die Stufen sind leicht abschüssig verlegt und übermässig lang, vielleicht einen Meter. Dennoch macht die Treppe einen steilen Eindruck. Zu römischen Zeiten sollen hier Pferde die Kutsche des Kaisers heraufgezogen haben. Vielleicht waren damals ja auch die Bedingungen bezüglich “Anlauf” holen etwas besser, als bei der heutigen Verbauung des Hügels. Dennoch: sehr verwunderlich was da die Pferde geleistet haben.
Den Nachmittag haben wir heute zur freien Verfügung. Für das Nachtessen im “Quattro Mori”, einem Restaurant mit Spezialitäten rund um Fisch und Meeresfrüchte, wurden wir von unserem Car vor dem Hotel wieder abgeholt. Es ist eines jener Restaurants, welches man als Tourist wohl kaum auf Anhieb in all den verwinkelten Gassen finden dürfte, aber darin vorzüglich bewirtet wird.
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